26.03.2011

LA Marathon 2011 – Stadium to the Sea

It’s never rain in Southern California... it pours man it pours. So schmetterte Albert Hammond schon und ich hätte mir diesen Song doch wohl mehr zu Gemüte führen sollen als den Trailer der LA Marathon-Macher, wo ein junger Knabe leichten Fußes nach flotten Tönen der Ramones durch die Straßen jumpt und ich mich vor meinem geistigen Auge schon ihm gleich tun sah…

Aber es kam alles ganz anders. Wie angeraten waren wir zwar 90 Minuten vor dem Start da, Luftlinie, denn wir standen auf dem Highway 5, gefühlt zusammen mit wohl allen anderen ca. 24000 Startern, denn nichts ging mehr auf der einzigen Zufahrt zum Dogders Stadium. Irgendwann entschloss ich mich, mein Glück auch zu Fuß zu probieren, keinen Schimmer, wie weit es noch war. Aber alle gingen, also warum nicht auch ich… Am Ende der Straße irrten wir erstmal hin und her, weil keiner so genau wusste, welche Richtung. Komischerweise fuhren hier die Autos vollkommen staufrei, aber da war Männe schon auf dem Highway entschwunden. Einer meiner Mitläufer hatte die glorreiche Idee, einen Pickup anzuhalten, auf den wir uns schwangen und der uns freundlicherweise zum Startbereich chauffierte. Sehr nett, wirklich. Was ich denn erst mal suchen musste, war ein Dixieklo. Da schon alle am Start standen, gab es dort jedenfalls keine Staus mehr.

Ich hatte ja die vage Hoffnung gehabt, am Start noch was zu essen zu bekommen, aber da war schon alles ratzefatz wegeputzt gewesen von der laufenden Meute. Dann eben unterwegs. Wenn ich da geahnt hätte, dass ich 30 Kilometer laufen muss, um meine erste Banane zu essen, wäre ich wohl gleich umgekippt. Aber so trieb mich der Gedanke nach Nahrungsaufnahme voran und natürlich das fantastische Glücksgefühl, was man hat, wenn sich Menschenmassen laufend vorwärts bewegen.

Die ersten Regentropfen kamen hernieder, aber noch war ich positiv gestimmt, sonst hätte ich niemals nicht meine Aldi-Regenjacke am Start zurückgelassen. Nach dem üblichen Vorstarttamtam ging es dann so gegen 800 los. Kleines Stückchen aufwärts und dann mit Schmackes um die Kurve und abwärts. Das lief sich ja schon mal bestens. Kurz nach der zweiten Meile, dann das erste Highlight, Chinatown Dragon Gate, wo gute Stimmung herrschte und Chinesische Musik und Drachen unseren Lauf begleiteten. Der Regen wurde von Meile zu Meile heftiger, das angebotene Wasser brauchte ich wahrlich nicht. Nur vielleicht eine Kleinigkeit zu knabbern? Allerdings war ich so am Zähneklappern, dass dies wohl irrtümlich von meinem Gehirn als Nahrungsaufnahme interpretiert wurde, denn es lief trotzdem alles weiter in meiner Laufmaschinerie…

Auf dem Weg zur Meile 4 ging’s auch richtig bergauf und ich wollte schon ein kleines Stück zu gehen anfangen, als ich auf deutsch angesprochen wurde, ob ich wirklich täglich laufe. Es war eine Frau, eine Legacy Läuferin und wir tauschten uns ein bisschen über unsere Laufleistungen aus, sie lief ihren 26ten Marathon, na ja und ich meinen 17ten. Wir gratulierten uns gegenseitig. Das Gespräch spornte mich so an, dass ich flott weiterlief und sogar Zeit hatte, ein Foto bergrunter zu machen und die Disney Concert Hall zu fotografieren.

Immer wenn ich dachte, jetzt regnet es ein bisschen weniger, kam ein neuer Schauer und es zerrte ziemlich an der Kraft und den Nerven, aber es half ja nichts, da mussten wir jetzt alle durch. So hatten sich die Organisatoren den Lauf bestimmt nicht vorgestellt und ich schon gar nicht. So im Gedanken wurde ich angesprochen, ob ich denn ein Steakrunner sei. Haha… das ist wohl immer ein guter Einstieg für ein nettes Gespräch und so lief ich eine Zeit mit Ron, der einen Kumpel auf seinem ersten Marathon begleitete. Wir hätten uns sicher noch ganz viel länger unterhalten, aber da wurden gerade Orangenstückchen angeboten, auf die ich mich stürzen musste, auch wissend, dass die mir bei meinem letzten Marathon nicht besonders gut bekommen sind. Aber ich hatte ja vorher keinen Käsekuchen gegessen, sondern gar nichts.

So gestärkt lief ich Meile um Meile durch den Regen, der niemals aufhörte, nur etwas in der Stärke variierte. Platzregen, Dauerregen, Hagelregen. Zwischen Echo Park Lane und Hollywood & Wine war eine ziemliche Durststrecke und ich fing an zu träumen von Regenponchos, Regenschirmen, heißen Duschen und vom Aufgeben und sich irgendwo unterstellen. Aber da wäre mir ja auch kalt gewesen, so wie die vielen Zuschauer sich bestimmt auch den Hintern abgefroren haben. Denn trotz des miesen Wetters waren unwahrscheinlich viele Leute unterwegs und feuerten einen immer wieder an. Keine Ahnung wo es war, als eine junge Frau auf mich zukam und zu mir auf deutsch meinte, bei dem Wetter hätte man ja auch zu Hause bleiben können. Nicht ganz, ich glaub in Deutschland war das Wetter besser.

Zähne zusammen beißen, Augen zu und durch. Eine Zeit lang versuchte ich mit den 5:00h Läufern mitzuhalten, da waren wir auf dem Hollywood Boulevard unterwegs. Graumman’s Chinese Theater und den Hollywood Walk of Fame nahm ich aus den Augenwinkeln heraus wahr, und versuchte mich daran zu erfreuen und aufzubauen, ansonsten lief ich mit Blick nach unten gegen den Regen und Wind gerichtet. Wasserpfützen wich ich schon lang nicht mehr aus, trotzdem war es immer wieder unangenehm, wenn die Füße in Eiswasser getaucht wurden.

Schön war es, als es auf den Rodeo Drive ging, sang ein Frauenchor etwas sehr schwungvolles, was einem gleich ein bisschen mehr Drive gab. Allerdings war mir irgendwie nicht nach Shopping und ob ich noch gut aussehe war eh nebensächlich geworden. Vielleicht, wenn es sich um einen Miss-Wet-Shirt-Wettbewerb gehandelt hätte…

Die Strecke lief auch entlang der Road 66, aber ehrlich gesagt hab ich davon nicht mehr viel mitbekommen. Ich fing irgendwann an, die verbliebenen Kilometer wie ein Mantra vor mich herzusagen. Nur noch 14 Kilometer, nur noch 13 Kilometer, nur noch 12 Kilometer. Da kam der Stand mit den Bananen und sie schmeckte einfach köstlich. Auf einmal war auch Ron wieder an meiner Seite, der extra zu mir aufgeschlossen war, um noch ein paar Worte mit mir zu wechseln und sich mir vorzustellen. Sehr freundlich. Sein Laufkumpel hatte ein paar Probleme bei seinem ersten langen Lauf, verständlich.

So mantrate ich mich immer weiter ins Ziel und ich konnte auf den letzten drei Kilometern noch für meine Verhältnisse sehr gut laufen, flog gefühlt ins Ziel, unglaublich, dass ich das am Ende doch noch so gut gepackt hatte. Voller Stolz holte ich mir meine Medallie ab. Die hatte ich mir wirklich erkämpft, genauso wie alle anderen über 19000 Finisher. Um dem Finish noch ein bisschen Dramatik zu verpassen, gab’s noch einen kleinen Thunderstorm und ich versuchte verzweifelt gleichzeitig Männe anzurufen und mich mit der verteilten Silberfolie gegen den Regen zu schützen. Was irgendwie nicht klappte und ich sah mich schon im Geiste an der Santa Monica Beach als gestrandete Marathonläuferin…

Aber alles wurde gut. Ich hab mich auf Platz 10942, 3233 bei den Frauen und 161 in meiner Altersklasse erlaufen. Mein zweiter Marathon innerhalb von 10 Monaten in den USA.

Dodgers Stadium am Freitag beim Abholen der Startunterlagen

Sonntag morgen, alles strömt zum Startbereich


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